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Das verrückte Kentucky Derby

Zuletzt aktualisiert am 06/08/2015

Wenn das Kentucky Derby stattfindet, dann herrscht in Louisville der Ausnahmezustand, da die meisten Einwohner dem Derby-Fieber verfallen.

Ich habe schon mehrmals in anderen Beiträgen auf meinem Blog das Kentucky Derby am Rande erwähnt. In diesem Artikel möchte ich mich nun ausführlicher mit dem traditionsreichen Pferderennen befassen. Was das Kentucky Derby ist und was dich bei einem Besuch erwartet erfährst du hier.

Was ist das Kentucky Derby?

Das Kentucky Derby ist mitunter eines der wichtigsten Pferderennen in den USA, da es der Auftakt für die prestigeträchtige Triple-Crown-Serie ist. Das Rennen trägt den Beinamen „Run for the Roses“ und wird seit 1875 an jedem ersten Samstag im Mai ausgetragen. Der Beinamen entstand übrigens im Jahr 1896, als das Siegerpferd zum ersten Mal ein Band aus 554 roten Rosen bekam.

Das Kentucky Derby lässt sich als wahres Stadtfest bezeichnen, denn überall wird gefeiert. Jährlich machen sich über 150.000 Besucher auf den Weg um das Rennen live zu sehen. Etliche Millionen bevorzugen es die Rennen zuhause am Fernseher zu verfolgen. Ich jedoch kann jedem nur empfehlen das Rennen zu besuchen und die Atmosphäre vor Ort zu genießen.

Auch die Queen Elizabeth II. von England besuchte im Jahr 2007 das 133. Kentucky Derby, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Seitdem hoffen die Bewohner und Veranstalter auf einen erneuten Besuch aus dem englischen Königshaus. Elizabeth besuchte zuvor schon Pferdefarmen in Lexington, der selbsternannten Pferde-Hauptstadt der Welt.

Welche Pferde dürfen am Kentucky Derby teilnehmen?

Teilnehmen dürfen am Kentucky Derby nur die besten Rennpferde der Welt, dabei sind nur dreijährige Vollblüter startberechtigt. Seit 2013 wurde das Qualifikationssystem geändert, nach welchem die zwanzig startberechtigten Pferde anhand von 36 Qualifikationsrennen ermittelt werden. Diese 36 Rennen werden auf verschiedenen Rennbahnen ausgetragen und finden unter anderem in den USA, England, Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Die vier erstplatzierten Pferde eines Rennens bekommen dabei Punkte gutgeschrieben und am Ende der 36 Qualifikationsrennen stehen die 20 Teilnehmer für das Kentucky Derby fest.

Was ist die Triple-Crown?

Die Triple-Crown-Serie ist eine Serie von Pferderennen. Auftakt bildet das Kentucky Derby, bevor wenige Wochen später das Preakness Stakes in Baltimore und danach das Belmont Stakes in Elmont im Bundesstaat New York stattfinden. Die Rennen finden dabei innerhalb von nur 5 Wochen statt und verlangen den Pferden einiges an Leistung ab, da im normalen Rennbetrieb deutlich mehr Zeit zwischen den Rennen zur Regeneration zur Verfügung steht, brauchen die Pferde eine wahnsinnige Kondition um die Rennen zu bestehen.

Das Pferd „Sir Barton“ war im Jahr 1919 das erste Pferd, das alle drei Rennen gewinnen konnte und damit die Triple Crown gewann. Insgesamt gab es in der Geschichte der Triple Crown nur 11 Pferde, die alle drei Rennen für sich entscheiden konnten. Das Pferd „Affirmed“ gewann zuletzt im Jahre 1978 die begehrte Krone. 2014 scheiterte das Pferd „California Chrome“ knapp am Titel, als es nach dem gewonnen Kentucky Derby und Preakness Stakes das Rennen Belmont Stakes als Vierter beendete.

Die richtige Kleidung für das Kentucky Derby

Ein Pferderennen ist für die meisten Neuland und schnell fragt man sich, was man überhaupt anziehen soll und kann. Grundsätzlich lautet das Motto auf dem Kentucky Derby „Dress to impress“.

Für Männer empfiehlt es sich einen Leinenanzug oder eine Weste zu tragen. Der Stoff ist leicht und perfekt für heiße Tage. Dabei dürfen die Anzüge und Hemden sehr farbenfroh sein. Zusammen mit einer passenden Krawatte oder Fliege und einer sonnenspendenden Kopfbedeckung wie z.B. einem Strohhut ist das Outfit perfekt.

Frauen tragen extravagante Hüte, so dass man meinen könnte, es findet eine Hochzeit des englischen Königshauses statt. Dazu sieht man ebenfalls knallbunte Kleider.

Natürlich muss es nicht total elegant sein. Gerade jüngere Herren der Schöpfung bevorzugen es mehr Casual und tragen Khakis, mit einem Hemd oder Polo-Shirt und dazu einen Sakko. Folgende Grafik sollte bei der Auswahl des Outfits helfen.

Secretariat – Ein Pferd, eine Legende

Der Hengst „Secretariat“ zählt noch heute als eines der besten Rennpferde. Secretariat konnte im Jahr 1973 nicht nur die Triple Crown gewinnen, sondern stellte mit einer Rundenzeit von 1:59.40 beim Kentucky Derby eine unangetastete Rekordzeit auf. Nur zwei weitere Pferde konnten das Rennen unter zwei Minuten beenden, scheiterten jedoch an der Rekordzeit.

Als die University of Kentucky nach dem Tod vor der Beerdigung eine Autopsie durchführte, wurde festgestellt, dass das Herz von Secretariat gut drei Mal größer war als bei anderen Pferden und es auf ein Gewicht von 9,6 kg brachte.
Secretariat wurde zur Legende und es folgte auch nach dem Tod des Rennpferdes Ruhm, unter anderem durch die Verfilmung von Disney. Anbei die originalen Aufnahmen des Kentucky Derby von 1973 (leider sind die Aufnahmen nicht annähernd so scharf wie in heutiger Zeit).

Das Kentucky Derby in Zahlen

  • Der Zuschauerrekord liegt im Jahr 2012 bei 165.307 und wird gefolgt von 164.906 Besucher im Jahr 2014
  • Über 187 Millionen Dollar betrugen die gesamten Wetteinsätze im Jahr 2012 und stellen den Rekord dar
  • Das Preisgeld des Kentucky Derby beträgt 2 Millionen Dollar
  • Churchill Downs hat eine Streckenlänge von 1 ¼ Meilen (2.012 Meter)
  • Alonzo Clayton ist mit 15 Jahren der jüngste Jockey der jemals ein Kentucky Derby gewinnen konnte, wohingegen Willie Shoemaker mit 54 Jahren der älteste Gewinner ist

Das Kentucky Derby Festival

In der Stadt herrscht der Ausnahmezustand, wenn es auf das traditionsreiche Galopprennen zugeht. Dem eigentlichen Rennen geht ein zweiwöchiges Festival voraus, welches im Waterfront Park am Ufer des Ohio River stattfindet. Gegen ein paar Dollar kann man sich einen „Pegasus Pin“ kaufen, mit welchem man an einem Gewinnspiel teilnimmt, ansonsten ist das Festival kostenlos.

Eingeläutet wird die zweiwöchige Party in Louisville durch das größte Feuerwerk Nordamerikas, dem „Thunder over Louisville“, welches ebenfalls am Ufer des Ohio River stattfindet. Dem Spektakel folgen Heißluftballonrennen, ein Marathon und ein Dampferrennen an welchem der Schaufelraddampfer „Belle of Louisville“ gegen die „Delta Queen“ aus New Orleans antritt.

Wetten beim Kentucky Derby

So genug gefaselt, nun kommen wir zum wohl interessantesten Teil, nämlich wie man beim Kentucky Derby wettet. Im Folgenden werde ich versuchen die wichtigsten Informationen zum Wetten auf Pferderennen zusammenzufassen.

Die folgenden Wetten sind die Grundlagen bei Pferderennen in den USA:

  • „WIN“: Die Sieg-Wette ist an sich selbsterklärend. Man tippt den Gewinner.
  • „PLACE“: Bei einer Platz-Wette muss das gewählte Pferd unter die ersten zwei Plätze kommen. Wird das Pferd Erster oder Zweiter, dann gewinnt man diese Wette.
  • „SHOW“: Ähnlich wie die Place-Wette muss das Pferd unter die ersten drei Plätze kommen. Die Wette geht also auf, wenn das Pferd Erster, Zweiter oder Dritter wird.

Es sollte sich von selbst verstehen, dass der Gewinn mit einer gewonnen Wette von WIN bis SHOW sinkt. WIN bringt mehr Kohle, wobei PLACE und SHOW zusätzliche Sicherheit bietet, dass die Wette überhaupt aufgeht.

Diesen Standard-Wetten folgen nun die Wetten, bei denen die Reihenfolge noch eine Rolle spielt. Die Wetten sind für Anfänger eher ungeeignet, da doch etwas mehr Recherche über die Pferde, Trainer und Jockeys nötig ist, um eine gesteigerte Chance auf einen Gewinn zu haben. Diese Wetten bieten jedoch die Chance auf höhere Quoten.

  • „EXACTA“: Bei einer Exacta-Wette müssen die ersten zwei Pferde, also Platz eins und Platz zwei in richtiger Reihenfolge getippt werden.
  • „TRIFECTA“: Die Trifecta-Wette funktioniert ähnlich wie die Exacta, nur dass eben die ersten drei Plätze korrekt in der richtigen Reihenfolge getippt werden.
  • „SUPERFECTA“: Die Superfecta-Wette bietet wie der Name schon vermuten lässt eine weitere Steigerung zur Trifecta-Wette, denn hier werden die ersten vier Plätze in richtiger Reihenfolge getippt

Wie überall im Sport wird es umso spannender, wenn am Ende auch noch ein kleiner Wettgewinn steht, daher ist eine Wette beim Besuch des Kentucky Derbys eigentlich obligatorisch. Ich glaube es gibt unter den über 160.000 Zuschauern wohl kaum jemanden, der nicht sein Glück versucht.

Beim 138. Kentucky Derby, also im Jahre 2012 gewann übrigens ein Glückspilz mit einer Superfecta-Wette satte 48.046,40 $ mit einem Wetteinsatz von nur einem Dollar.

Übrigens: Die Pferde können vor jedem Rennen besichtigt werden. Diese werden nämlich beim „Paddock“, also dem umzäunten Auslauf bei den Stallungen vorgeführt. Dabei werden die Tiere in einem Kreis herumgeführt.

Meine Erlebnisse auf dem Kentucky Derby

Ich war im Jahr 2013 auf beiden Rennen. Am Freitag besuchte ich das Kentucky Oaks, welches am Freitag vor dem großen Rennen, dem Kentucky Derby stattfindet. Freitags hatten wir Glück mit dem Wetter, da ganztägig die Sonne schien und die Temperaturen angenehm waren.

Leider wollte das Wetter am darauffolgenden Samstag mir einen Strich durch die Rechnung machen, denn es regnete ununterbrochen von morgens bis abends. Da ich mir in meinem Austauschjahr in Louisville, Kentucky keinesfalls die prestigeträchtigste Sportveranstaltung der Stadt, des Bundesstaates, ja vielleicht sogar des Landes nicht entgehen lassen wollte, kleidete ich mich eben gut ein.

Übrigens wurde in der Geschichte des Kentucky Derby noch niemals ein Derby wegen Regen oder schlechten Wetters abgesagt oder verschoben. Da heißt es eben auf die Zähne beißen und durchhalten.

Angekommen an der Rennstrecke von Churchill Downs drängten sich schon tausende Besucher durch die Tore und es schien so, als ob das schlechte Wetter der Stimmung keinen Abbruch tat. Mit ein paar Freunden und Au-pairs die ich kennen lernte, ging es dann nach dem Genuss eines Mint Julep ins Infield, um die einzelnen Rennen vom Innenfeld zu sehen.

Pünktlich zum 11. Rennen, welches das eigentliche Kentucky Derby Rennen ist, konnte ich den damaligen Gewinner „Orb“ von der Überdachung auf Höhe der Ziellinie beobachten.

Kentucky Derby 2013

Solltest du außerhalb der Derby-Saison in Louisville, Kentucky sein, lohnt sich auch ein Besuch der Rennstrecke Churchill Downs, denn auch vor und nach dem Kentucky Derby finden Pferderennen statt. Informationen gibt es auf der offiziellen Seite von Churchill Downs. Darüber hinaus ist ein Besuch im Kentucky Derby Museum ein Muss. Ich habe dazu in einem früheren Artikel etwas geschrieben, den du hier findest.

Bildquellen:
Out in Front by Paul Kehrer

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